Tipps für Segler :: Thema Sicherheit

Vorfahrt-Regeln auf dem Wasser.
Von Delf Erik Norden und Peter H. Schindler.

In den internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) ist das Wegerecht eindeutig geregelt.

In der Regel 18 steht:
Sofern in den Regeln 9, 10 und 13 nicht etwas anderes bestimmt ist, gilt folgendes:
Maschinenfahrzeug in Fahrt muss ausweichen
(I) einem manövrierunfähigen Fahrzeug
(II) einem manövrierbehinderten Fahrzeug
(III) einem fischenden Fahrzeug
(IV) einem Segelfahrzeug (auch Sport-Catamarane und Surfer)

In den KVR ist im Übrigen auch die Rede von ‘Vorsichtsmaßnahmen, welche allgemeine seemännische Praxis oder besondere Umstände des Falles erfordern.‘
Das sind Maßnahmen, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Regeln hinausgehen.

Das vorstehende internationale Recht kann durch nationale Verordnungen individuell angepasst werden.
So erweitert bzw. verändert die SeeSchStrO einige Regeln innerhalb der deutschen Dreimeilenzone.

Nach § 31 SeeSchStrO müssen Surfer und Kitesurfer, sowie Klein- und Schlauchboote, die Sportanhänge wie Bananen, Schwimmreifen und Luftmatratzen schleppen, allen anderen Fahrzeugen ausweichen; also auch Sport-Catamaranen.

Das Problem liegt darin, dass leider nicht davon ausgegangen werden kann, dass ausnahmslos alle verantwortlichen Skipper von sich auf dem Wasser bewegenden Fahrzeugen und Sportler wie Surfer, Paddler, Jetski- und Schlauchbootfahrer usw. die gesetzlichen Verordnungen nach KVR und die in Deutschland zusätzlich gültigen nationalen Abweichungen nach der SeeSchStrO, vor allem deren richtige Umsetzung, kennen und/oder sie in der Praxis umsetzen .
Deshalb geben wir nachfolgend einige Tipps speziell für Catamaran-Segler, die dazu beitragen sollen, die Sicherheit auf dem Wasser unabhängig von Verordnungen und Auflagen zu erhöhen.

  • Berufsschifffahrt immer die Vorfahrt lassen.
  • Kleinfahrzeuge –dazu gehören auch Fun- und Sportcatamarane unter zwanzig Meter Länge- sollten allen anderen Fahrzeugen ausweichen; insbesondere unter Motor laufenden Fahrzeugen.
  • Durch eindeutige Verhaltens- und Steuerweisen immer unmissverständlich zu erkennen geben, was man vorhat.
  • Surf- und Kitesurfspots meiden.
  • Trotz § 31 der SeeSchStrO die KVR auch bei Surfern und Kitesurfern anwenden.
  • Muskelgetriebene Kleinfahrzeuge weichen segelbetriebenen Kleinfahrzeugen aus. Dennoch als schnelleres Fahrzeug immer Rücksicht auf langsamere Fahrzeuge nehmen. Wie soll zum Beispiel ein Paddler einem Catamaran bei 5 bft ausweichen?

    Während ein Sportcatamaran zweifelsfrei ein Kleinfahrzeug ist, gibt es für Surfer eine nicht verständliche abweichende Einstufung: Auf Binnengewässern gelten sie als Kleinfahrzeuge, also Segler; auf der See nicht. Demgemäß sind Surfer auf dem Meer nicht nur grundsätzlich gegenüber allen Fahrzeugen ausweichpflichtig; sie dürfen in einem Fahrwasser überhaupt nicht surfen und außerhalb des Fahrwassers nur unter Beachtung des § 26, Absatz 5 der SeeSchStrO, in der das Surfen in Badegebieten geregelt ist.

    Im vorliegenden Zusammenhang sei auf den Artikel ‘Die Seeschlacht‘ in ZEIT ONLINE verwiesen, der jedem zu denken geben sollte.
    Eine Motoryacht hatte einen Surfer übersehen und dabei beinahe getötet. Dass Seegerichtsprach den Surfer schuldig, da er aufgrund der SeeSchStrO der etwa vierzig Knoten schnellen Yacht hätte ausweichen müssen. Das Gericht hat bei seiner Entscheidung überhaupt nicht gewürdigt, dass in diesem Fall auch die Regeln 5 und 6 der KVR zugetroffen haben, nach denen jedes Fahrzeug einen Ausguck und eine sichere Geschwindigkeit zu fahren hat.
  • Für Segelfahrzeuge untereinander gelten unverändert die bekannten Regeln aus den einschlägigen Lehrbüchern. Dennoch sollte nicht davon ausgegangen werden, dass diese jedem Segler bekannt sind und er sie anwendet.
    • Hat ein Segelfahrzeug das Großsegel auf der Backbordseite, so hat es Wegerecht vor einem Segelboot, welches das Großsegel an Steuerbord führt Grundsatz: Backbord-Bug vor Steuerbord-Bug.
    • Haben zwei Segelfahrzeuge den Wind von der gleichen Seite, so hat das in Lee segelnde Fahrzeug Vorfahrt.
      Grundsatz: Luv weicht Lee bzw. Lee vo
    • Ein Segelfahrzeug, das einen anderen Segler überholt, hat sich von diesem frei zu halten.