Tipps für Segler :: Thema Sicherheit

Wind und Wellen richtig einschätzen.
Erfahrung ist durch Nichts zu ersetzen.
Von Peter H. Schindler

Sitzen Segler zusammen, sprechen Sie früher oder später über ihre Törns und Abenteuer, die sie (angeblich) bestanden haben. Man hört dann von mehreren Metern hohe Wellen und Windstärken, dass einem das Grausen kommt.
Aber ist das die Wahrheit?
Versteckt sich dahinter eine gehörige Portion Seemannsgarn und Phantasie oder hat man sich einfach nur verschätzt?

Ich habe den Eindruck, dass viele Segler in gutem Glauben berichten, aber die Wellenhöhen und Windgeschwindigkeiten nicht immer richtig beurteilen (können).
In der Tat ist es schwierig, auf einem kleinen Catamaran zu sitzen, nicht einmal einen Meter über der See und im Wellental abzuschätzen, wie hoch denn wohl die Wellen sind, die da auf einen zukommen oder unter einem durchgehen.
Ich selbst habe einmal auf einem Törn nach Helgoland als letzter Segler eines Cat-Geschwader aufgrund der langen und hohen Wellen erleben müssen, keinen Segler mehr vor mir zu sehen. Plötzlich tauchte dann aus dem Wellental wie aus dem Nichts die Mastspitze eines höchsten zwanzig Meter vor mir segelnden Cats auf. Damals nahm ich in Abstimmung mit meinem erfahrenen Vorschoter die Wellenhöhe mit drei bis vier Metern und die Windstärke mit 6, in Böen 7 an. Später auf Helgoland entnahm ich den Erzählungen anderer Teilnehmer, dass sie eine ähnliche Einschätzung wie ich gehabt und bei der Wellenhöhe sogar einen Meter draufgelegt hatten. Der Skipper eines Begleitschiffes berichtigte dann unsere mutmaßlichen Werte dahingehend, dass es sich um eine Schlechtwetterfront mit fünf bis sechs Windstärken gehandelt habe; in Böen bis sieben. Die Wellenhöhe betrug zu keinem Zeitpunkt mehr als zwei bis höchstens drei Meter.

In diesem Zusammenhang eine lustige Geschichte:
Ein Segler beantwortete die Frage eines Außenstehenden, wie hoch denn die Wellen wohl gewesen sein mögen, humorvoll dahingehend, dass das davon abhänge, wo man anfängt, zu messen. Nähme man zum Beispiel den Meeresgrund, so hätte die Wellenhöhe zeitweilig über fünfzig Meter betragen....

Spaß beiseite.
Die nachfolgende Tabelle soll dazu dienen, jedem Cat-Segler eine richtige Einschätzung der Situation zu ermöglichen.

Windstärken-Tabelle zum Umrechnen von Knoten, Beaufort, m/s und km/h
Knoten Bft. m/s km/h Bezeichnung Auswirkung auf die See
1 0 0 - 0,2 1 Windstille Spiegelglatte See.
1-3 1 0,3-1,5 1-5 Leiser Zug Kleine Kräuselwellen ohne Schaumkämme.
4-6 2 1,6-3,3 6-11 Leichte Brise Kleine, kurze Wellen. Glasige, nicht brechende Kämme.
7-10 3 3,4-5,4 12-19 Schwache Brise Kämme beginnen sich zu brechen. Schaum glasig. Vereinzelt Schaumköpfe.
11-15 4 5,5-7,9 20-28 Mäßige Brise Kleine, längere Wellen. Verbreitet Schaumköpfe.
16-21 5 8,0-10,7 29-38 Frische Brise Lange, mäßige Wellen. Überall Schaumkämme.
22-27 6 10,8-13,8 39-49 Starker Wind Größere Wellen und Schaumflächen. Kämme brechen. Etwas Gischt.
28-33 7 13,9-17,1 50-61 Steifer Wind See türmt sich. Schaum legt sich in Windrichtung.
34-40 8 17,2-20,7 62-74 Stürmischer Wind Mäßig hohe Wellenberge mit langen Kämmen. Gischt weht ab. Schaumstreifen.
41-47 9 20,8-24,4 75-88 Sturm Hohe Wellenberge. Dichte Schaumstreifen. See "rollt". Gischt beeinträchtigt Sicht.
48-55 10 24,5-28,4 89-102 Schwerer Sturm Sehr hohe Wellenberge. Lange überbrechende Kämme. See, weiß durch Schaum. Rollt schwer und stoßartig. Gischt beeinträchtigt Sicht.
56-63 11 28,5-32,6 103-117 Orkanartiger Sturm Extrem hohe Wellenberge. Wellenkämme werden überall zu Gischt zerblasen. Sicht herabgesetzt.
64-71 12 32,7-36,9 118-133 Orkan Luft mit Schaum und Gischt angefüllt. See vollständig weiß. Sicht stark herabgesetzt.