Tipps für Segler :: Praktische Tipps

Der Anker.
Ein Erfahrungsbericht von Günter Wild.

Auf Dickschiffen für jeden Skipper selbstverständlich, wird das Mitführen eines Ankers auf kleinen Sport-Catamaranen häufig belächelt oder gar abgelehnt. Wohin auch mit einem so schweren und sperrigen 'Ding' auf einem so kleinen Boot?

Es mag ja sein, daß man auf einem ruhigen und kleinen Binnengewässer oder auf der schmalen Oste nicht unbedingt einen Anker mitführen muß, aber auf der Nordsee mit ihren häufig starken Winden und hohen Wellen, macht ein Anker Sinn.
Und mit dieser Erkenntnis beginnen die Probleme: Welcher Art muß der Anker sein? Wie schwer sollte er sein? Wie lang muß die Ankerleine sein?

Würde ich an dieser Stelle einen großen und schweren Stock- oder Pilzanker empfehlen, ich würde -zu Recht- zum Gespött aller Cat-Segler. Anderseits aber ist bekannt, daß kleine, leichte und somit Platz und Gewicht sparende Klappdraggen im oft festen und harten Watt schlecht greifen und somit nicht halten.

Welche Alternative gibt es also?

Kurzzeitig hatte ich mal einen CQR-Anker, einen nahen Verwandten des berühmten Danfoss-Ankers mit einem Gewicht von viereinhalb Kilo auf meinem Achtzehn-Fuß-Cat mitgeführt. Der 'Brummer' gräbt sich schnell und zuverlässig auch in den festem, sandigen Grund ein; vorausgesetzt, die Ankerleine ist lang genug. Der Nachteil: In den klappenden Flunken und den rechts und links herausstehenden Querstäben kann sich immer wieder einmal eine lose Vorschot verfangen. Die Entwuselung ist für den Schotten dann immer eine Sch....arbeit. Und für einen Einhand-Segler wie mich ist das Problem noch größer.

Dann habe ich auf meinem Boot versuchsweise einen Bügel-Anker eingesetzt. Dieser ist mit fünf Kilo nicht wesentlich schwerer als mein alter CQR-Anker gewesen, aber im Prinzip immer noch zu schwer. Auch der Bügel-Anker gräbt sich schnell in Sand und festem Watt ein und hält dann sicher. Sein Vorteil: Im Gegensatz zum QCR- bzw. Dankfoss-Anker ist der Bügelanker in seiner Konstruktion 'runder'. Schoten und andere Enden verheddern sich nicht so leicht und das gesamte Handling ist aufgrund des Bügels einfacher. Aber so richtig glücklich hat auch er mich nicht gemacht.

Schließlich bin ich wieder zum Klapp-Draggen zurückgekommern; wissend, daß er nicht halten wird, wenn es darauf ankommt. Ich werde ihn -falls ich dazu die Möglichkeit habe- mit der Hand eingraben müssen, damit er im Sand gut hält. Aber immerhin hat man das gute Gefühl, überhaupt etwas für seine Sicherheit getan zu haben.

Nach allem, was ich von Fachleuten gehört und an eigenen Erfahrungen gemacht habe, sollte das Gewicht eines Ankers für einen Achtzehn-Fuß-Cat viereinhalb bis fünf Kilo betragen. Bei einem Hobie 21 oder einem Topcat K1 sollte das Gewicht sogar sechs Kilo betragen. Nur bei kleineren Cats und Jollen kommt man mit einem Anker mit vier Kilo aus. Darunter aber läuft gar nichts; ausgenommern, man will mit dem Anker nur nutzlosen Ballast herumschippern. Im Notfall wird ein zu leichter oder für den jeweiligen Meeresboden nicht geeigneter Anker nicht greifen. Dies auch deshalb nicht, weil bei Catamaranen das Trampolin und -soweit vorhanden- die Wings wie große Segel wirken können, deren ungeheure Zugkraft der Anker bei Starkwnd halten muß.

Was die Ankerleine angeht, so bedarf es bei einem Sport-Catamaran natürlich keines Kettenvorlaufes. Eine etwa daumenstarke, stabile Ankerleine, wie sie bei jedem besseren Schiffsausrüster zu bekommen ist, ist für unsere Zwecke ausreichend. Aber zwanzig Meter sollte die Leine schon lang sein; besser wären fünfundzwanzig bis dreißig Meter. Ist die Ankerleine zu kurz, wird der Haltewinkel zum Boot zu steil und der Anker kann sich überhaupt nicht eingraben; selbst, wenn er von seiner Konstruktion her für den jeweiligen Boden geegnet wäre.