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Erinnerungen an Motte Constabel.
Von Peter H. Schindler.


Der viel zu früh verstorbene Peter Constabel war nicht nur ein brillianter Segler, sondern auch ein feinfühliger, seine Umwelt aufmerksam beobachtender Mensch. Gern nahm er sich und andere auf die Schippe und brachte gelegentlich auch mal seine Erlebnisse mit spitzer Feder und trockenem Humor zielgerichtet und phantasievoll zu Papier. Wer seine Anekdoten liest, kann sich der besonderen Art seines Humors nicht entziehen.

In Erinnerung an diesen großartigen Mann, bringen wir nachfolgend noch einmal seinen berühmten Dreiteiler 'War segeln.' und seine Gedanken zum 'ultimativen Frühfreffer'.
  • War segeln. Teil 1
    Ein Bericht von Hauptfeldwebel a.D. Karl-Heinz Koslowski.

    Junger Mann aus dem Vertrieb. Wusste wohl um meine Vergangenheit als Hauptfeld und Sportausbilder beim Bund. Sprach mich letzten Dienstag an. Wollte mit mir Catamaran segeln. Habe spontan zugesagt. Wollte ich ja schon immer mal. Wind und Wellen um die Nase. Flair von Ordnung und Disziplin.

    Meinte, er suche einen Schotten. Habe mit Verständnislosigkeit reagiert. Soll er doch in Schottland suchen. Sei ja außerdem auch gar nicht geizig. Wurde mit Lächeln quittiert und verneint.

    Bräuchte mich zum Trimmen. Habe mich fast schon wieder aufgeregt. Mache man doch nur mit Hunden. Sei ja auch gerade erst beim Friseur gewesen. Erfuhr dann Aufklärung. Werde wegen angeblichem Gewicht gebraucht. Habe dann trotzdem zugesagt und bin nach Sahlenburg gefahren.

    Nehme Sonnabend früh dunkelblauen Marineblazer; zweireihig. Bügle graue Leinenhose und suche noch passende Mütze. Stehe vor dem Spiegel, fixiere einhundertunddreissig Kilo Pantherkörper. Freue mich aufs Segeln.

    Soll alte Turnschuhe mitnehmen. Wähle dann die Gartenschuhe.

    Bin kurz vor Zeit am Treffpunkt. Kollege überreicht mir schwarzen Gummianzug.. Bin entrüstet. Weise perverse Sauereien von mir. Will schon wieder gehen. Werde dann aber noch informiert. Kann es fast nicht glauben.

    Bekomme dann noch alberne Windelhose. Allerdings rot. Werde immer skeptischer.

    Werde dann zum winzigen Objekt geführt. Soll angeblich Segelboot sein. Sehe nur zwei Plastikkajaks. Ohne Mannloch; mit Stoff dazwischen und langer Alustange. Frage nach Sonnendeck und Dusche erübrigt sich. Skipper spricht von automatischer Decksspülung. Bin dann aber doch sportlich zuversichtlich wegen echter Herausforderung.

    Werde eingewiesen. Rümpfe; Mast; Trampolin.
    Klettere dann auf Letzteres und teste an. Ernte freundlichen Verweis. Sei nicht zum Hüfen geeignet; nur zum Sitzen. Denke mir: Völlige Fehlkonstruktion. Muss wohl in Taiwan gebaut sein. Habe nicht weiter kommentiert.

    Ruderanlage wird gezeigt. Vermisse Dollen und Ruder. Soll angeblich zum Steuern da sein. Frage mich, ob Rohr in Pinneberg erfunden. Sind auch schlechte Autofahrer. Könnte logisch sein.

    Daneben liegt Slipwagen. Ding hat weder Form von Damenschlüpfer oder Tangastring. Behälter dafür auch nicht vorhanden. Sehe nur rundes Aluprofil mit Reifen für kleinen Trecker oder Mähmaschine und komische Sitzschalen.

    Vorne sei Verklicker.
    Höre genau hin. Gerät ist aber ganz leise. Klickt nicht.

    Kollege zeigt mir dann Trapezvorrichtung.
    Frage nach Circus und Manege. Sehe aber nur dünnen Eisenfaden mit komischem Haken und kleinem Handgriff. Wird nicht weiter erläutert.

    Müssen uns jetzt angeblich beeilen, weil Tide kommt.
    Kenne Tide nicht. Vielleicht unangenehme Kollegin oder neue Abteilungsleiterin? Habe aber keine Angst vor ihr.

    Müssen uns jetzt umziehen. Kann momentan nicht weiter berichten. Dienstzeit beendet. Habe nun Feierabend. Schreibe demnächst weiter.
  • War segeln. Teil 2
    Ein Bericht von Hauptfeldwebel a.D. Karl-Heinz Koslowski.

    Werdet Euch erinnern. Hatte letzthin ja schon berichtet, als mir Feierabend dazwischen kam. Bin wieder im Dienst; kann jetzt fortsetzen.
    Hatten uns gerade schwarze Gummikleidung angezogen und Catamaran mit Slipwagen in Schlick geschoben. Sollte wohl Schlickrutschen heißen.
    Flut kam dann aber. Kollege meinte, sei Tide. Ging dann auch gleich los.

    Boot sei ohne Schwerter, meinte Kollege. Habe verständnislos reagiert. Piraten nicht in Sicht und Zeit von Kampf mit Schwertern sei ja wohl doch vorbei. Mache man heute mit Pumpgun oder ärmere Leute mit Kalaschnikow. Meinte aber, sei nur gegen Abdrift. Schon wieder so ein blöder Begriff.

    Solle mich in Luv setzen. Habe mich dann nach links gesetzt.

    Wende und Halse wurden erklärt. Kannte vorher nur Ostzonen-Wendehälse. Muss Kombination aus Beiden sein.

    Soll Fockschot dicht holen. Habe an buntem Bindfaden gezogen. Fock wickelte sich darauf auf und verschwand. Hab dann an einem dickeren Tau gezerrt. Plötzlich war das Segel wieder dar. Ging dann auch dicht zu ziehen. Müssen jetzt auf die Kreuz. Sehe gelbes Kreuz vor mir im Wasser. Frage mich, was der Blödsinn nun wieder soll. Wozu dämliches Kreuz erklimmen? Fahren dann aber vorbei. Werden immer schneller. Verdammt nasse Angelegenheit. Gummizeug war wohl nötig.

    Soll jetzt Traveller fieren., weil Wind stärker. Finde im Moment keinen frierenden Reisenden. Wüsste auch nicht, was damit anfangen. Kollege macht es dann selbst.

    Meint dann, wenn schon keine Ahnung, soll ich wenigstens ins Trapez gehen. Habe geantwortet, dass ich nicht Jesus sei. Könne weder übers Wasser, noch ins Trapez gehen. Wurde dann genötigt, mich in Windelhose an dünnem Draht einzuklinken und über brodelnde See zu hängen. War wohl notwendig, da Kajak, auf dem wir saßen, wieder tiefer kam. Bin dann plötzlich abgerutscht und wurde an Spitze des rechten Kajaks geschleudert. Habe mich aber Dank meines durchtrainierten Körpers nicht verletzt. Habe Kollegen dann mitgeteilt, soll gefälligst aufpassen; sei rechtsschutzversichert. Hat ihn nicht beeindruckt. Fragte nur, ob Lampen vorne an seien. Habe aber keine gesehen. So richtig Ahnung hat der wohl auch nicht von seinem Boot.

    Anschließend nur mit nassem Haar auf Plastikplane gesessen. Auch das Ding ist nicht richtig dicht. Wasser kommt von unten durch.

    Geschwindigkeit reduziert. Bindfaden unten am Mast gezupft; sei Cunningham. Vermute schon wieder Saukram. Kenne nur Cunnilingus (aus Lexikon). Vielleicht auch englisches Fleisch. Cunningdings sei aber nur zum Straffen des Großsegels da. Hätte er mir ja auch vorher sagen können.

    Nehmen wieder Fahrt auf. Segeln Wende und Halse. Jetzt alles klar; wie Politik zu Zeiten Birne Kohls. Soll jetzt Leine der Fock in Curryklemme belegen. Lasse mir dann Funktion der geriffelten Nähgarnrolle erklären. Pfiffige Idee. Hätte von Möllemann sein können.

    Kräftige Böe beschleunigt Boot; nach vorn wie nach oben. Kollege spricht von Risiko Unterschneiden und Stecker. Müsse jetzt wieder ins Trapez. Wundere mich über Küchen- und Elektrobegriffe. Verheddere mich dann zwischen Haken an Windelhose und Leine für Fock. Kajak auf dem wir sitzen steigt unmotiviert gen Himmel. Rutsche unsanft auf andere Seite, kann mich aber an Fuss von Kollege festhalten. Der macht dmme Bemerkungen, die ich hier nicht wiedergebe. Kajak klatscht aufs Wasser zurück. Prelle mir den Ellenbogen. Frage nach Haftpflicht von Bootseigentümer wegen Körperverletzung. Werde frech belächelt. Wollen jetzt zurück zur Marina. Bin äußerst intereressiert. Möchte Näheres über Alter, Haarfarbe und sonstige Maße der Dame wissen. Kollege antwortet: Fünfzehn Jahren, grün und Platz für vierzig Boote. Habe schon immer gedacht, dass der Typ pervers sei. Besserer Beweis konnte nicht erbracht werden.

    Muss jetzt aufhören. Chef kommt 'rein. Wilkl wohl kontrollieren. Muss auch Solitärspilke wegklicken. Berichte demnächst weiter.
  • War segeln. Teil 3
    Abschliessender Bericht von Hauptfeldwebel a.D. Karl-Heinz Koslowski.

    Habe jetzt viel Zeit. Komme später 'drauf zurück.

    Hatte ja berichtet, wie alles angefangen. Leser wird sich erinnern.
    Zurück zur Marina. War doch nicht 90-60-90, sondern Bootsliegeplatz. Kannte ich ja schon.

    Kollege teilt mir mit, dass ich zum Fockaffen kaum tauge. Habe schon immer gewusst, dass ich zu Höherem berufen. War gar nicht mal so schlecht; das Catamaran segeln. Entschliuss gefasst: Kaufe selbst ein Boot. War jetzt schließlich Spitzensegler. Verfüge noch über Restzahlungen aus Dienstzeit; sogenannte Übergangsgelder. Konnte also qualitativ hochwertig zuschlagen. Habe dann unter Ausnutzung von Behördenrabatt einen Turbo-Cat A 20 S per Internet erworben. War echtes High-Tec-Teil. Gerade angemessen für mich. Achtundzwanzig Quadratmeter Mylan. Teilhydraulische Trimmhilfe. Kaviarmast 9,70 m. Tauwerk Dyneema. Einschließlich Wraggenanker und Überlebensanzug für zweiundzwanzig Kilo als Schnäppchen für siebzehn Euro.

    Bin dann auch gleich von Brake aus Richtung Helgoland gestartet. Hatte zunächst Eingewöhnungsprobleme. Material war offensichtlich nicht hinlänglich getestet. Trieb weseraufwärts. Nach drei Stunden dann aber Bewegung in Richtung Wesermünde. War relativ fix unterwegs; etwa drei Knoten Speed gemäß GPS. Habe dann alle Segel mittig gestellt laut Lehrbuch Seite 38. Boot war dann optimal getrimmt. Verklicker zeigte genau nach vorne. Etwa 17.30 Uhr kam mir größeres Containerschiff entgegen. Kam genau auf mich zu. Wusste laut Lehrbuch Seite 59: Segler haben immer Vorfahrt. Sah deshalb auch keine Veranlassung, von Kurs in Flussmitte abzuweichen. Kann mich dann nur noch an widerlich langes Hupsignal von Containerriesen erinnern. Resterinnerung quasi storniert.

    Zeitungsmeldung
    Einswarden am 17.07.

    Gestern abend kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall auf der Außenweser. Der zweiundfünfzigjährige Karl-Heinz Koslowski aus B. -in einschlägigen Kreisen Killer-Kalle genannt- trieb mit einem Sportcatamaran in der Fahrwasserrinne. Trotz der Warnsignale des 30.000 BRZ Containercarrieres 'Tina Magnolia XXV‘ machte K keine Anstalten, auszuweichen. Ein im letzten Moment eingeleitetes Ausweichmanöver des Seeriesen hatte dessen Auflaufen auf Buhne 17 zur Folge. Die Seeschifffahrtsstraße ist seither gesperrt. Der Segler kenterte im Schwell und wurde mit diversen Brüchen von der Nordstern der DGzRS abgeborgen.
    Nach Auskunft des Wasserschifffahrtamtes in Brake, ist der Schaden noch nicht zu beziffern. Er wird sich aber wohl auf mehrere Millionen EURO belaufen.

    PC.
    Befinde mich momentan im Reha-Zentrum. Wird wohl sechzehn Wochen dauern. Komme zu nichts mehr. Bin plötzlich berühmt geworden. Waren alle schon da: Zeitung; Radio; Fernsehen. Haben Reportage gemacht. Habe Geld auch dringend nötig. Rechnungen stapeln sich auf Nachttisch. Wird Probleme geben. Boot sllte erst nach Jungfernfahrt versichert werden. Lese immer wieder Artikel in den Elbe-Weser-News vom 18. Juli.

    Kann mich nur nach wie vor über Inkompetenz von Lotsen auf dem Containerschiff wundern. Habe inzwischen seinen Namen ausfindig gemacht. K. Sch. aus L soll den Schaden bezahlen.

    Werde mich demnächst dem Golfspiel zuwenden. Empfinde das als Alternative zum Segeln und als echte Herausforderung. Habe schon Briefkontakt zu Bernhard Langer aufgenommen. Golfausrüstung im Katalog bestellt und Mitgliedsantrag im Golfclub Hamburg-Blankenese angefordert.

    Das war’s dann.

    Euer

    Kalle Koslowski
    Hauptfeldwebel a.D. alias Peter Constabel
  • Der ultimative Frühreffer.
    Von Peter Constabel.

    Der Warmduscher. Der Frauenversteher. Das Weichei. Der Festnetztelefonierer.
    Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen und mittlerweile sind diese Begriffe entweder out oder entwickeln sich in einzelnen Bereichen munter weiter. Natürlich auch im Segelsport. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Kaffeesegler, Frühreffer, Fenderüberzugbenutzer, in die Pütz Kotzer und Schotenbader.

    Aber auch unter Catamaran-Seglern –vom Landei respektvoll bewundert- sind Vertreter oben genannter Gattung anzutreffen. Dort verzeichnen wir den Flachwassersegler, den Luftsack im Topp Segler, den Lifebeltbenutzer, den Vorfahrtbeachter, den Faserpelzträger, den Bastelbootsegler, den Lenzpützsegler, den Zweirumpfsegler, den Achterlichttrimmer und den Land immer in Sicht Segler.

    Der schweifende Blick auf unseren Cat-Platz in Sahlenburg kann allerdings diese verachtenswerte Klientel nicht entdecken. Nein, nein und nochmals nein. Hier finden wir die Nullhandsegler, die Trampolinspringer, die Helgolandfahrer, die Großschiffahrtskiller, die Erst ab dreißig Knoten Segler und die Sechzig Grad Neigungssegler.

    Mein Gott, wenn das Graf Luckner wüsste!