Sonstiges :: Unterhaltendes

Labskaus.
Von Günter Wild.

Was wäre die ganze Seefahrt wert,
stände zuweilen nicht so ein Pott mit Labskaus auf dem Herd.
Und fragt man einen Seemann, ob Labskaus oder Kuss,
dann ruft er: "Ich bin für Beides. Schluss."

Erst kippt er einen Kurzen. Noch besser zwei.
Dann folgt mit einem einz‘gen Happs das ganze Spiegelei.
Und wenn er es von den Lippen schleckt; es ist im scheißegal.
Hauptsache, dass es richtig schmeckt. Und dann Schluss mit dem Durst. Zunächst jedenfalls mal.

Und während er sich das Kinn abwischt, sind alle Sorgen fern.
Zufrieden denkt er, wenn es zischt: 'Mein Gott, was lebe ich doch gern.'

Was sagt der Arzt?
Der Bauch muss weg?
Das Herz ist überlastet?
Das schert mich heute einen Dreck. Ab morgen; morgen wird gefastet.

Dem Laien ist das Labskaus fremd, weshalb er ihm misstraut.
Sein Aussehen ist's, was ihn hemmt. Es scheint ja auch gut vorgekaut und schlecht verdaut.
Er ahnt nicht, was sich 'drin verbirgt und wittert allerlei.
Heimtückisch schielt –indes er würgt- das dicke fette Spiegelei.
Das ganze schmückt ein dicker Kranz von Rotebeete.

Was ist denn das?!
Ein Heringsschwanz. Verdächtig in der Tat.
Doch lässt er korn- und biergestärkt dem Schicksal seinen Lauf.
Und zwischendurch –wenn’s keiner merkt- stößt er mal kräftig auf.

Die Schüssel wandert hin und her und munter wird gezecht.
Und hat man keine Zähne mehr, dann schätzt man's Labskaus erst recht.
Es schmeckt sogar bei Stärke 10 auf wildbewegter See;
und fängt es an, sich umzudreh'n, geht man schnell mal nach Lee.
Wenn man es dann wiedersieht; schwimmend auf den Seen,
dann denkt man bloß 'Ach, lass den Schiet, es schmeckt doch wunderschön.'