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Rumpfgeschwindigkeit.
Humorvolle Gedanken zu einem seemännischen Begriff von Oliver U. von Haxthausen.

Was ist Rumpfgeschwindigkeit?

Man kommt sich ja richtig klein und unwissend vor, wenn man alten Seebären lauscht und sie davon sprechen hört, dass sie mit ihren Schiffen Rumpfgeschwindigkeit erreicht hätten oder junge Regattafreaks sogar behaupten, diese überschritten zu haben.

Rumpfgeschwindigkeit.
Das klingt ausgesprochen technisch.

Als ich einen Segler frage, meint der nur stirnrunzelnd:
„Rumpfgeschwindigkeit. Das ist halt die Geschwindigkeit des Rumpfes.“

Ist ja klar. Jetzt weiß ich es ganz genau. Und weiß dennoch genau so viel wie vorher; also nichts.

Ich schlage im ’Seemännischen Wörterbuch’ nach, dem berühmten Claviez.
Ru ....Rud ....Rum .... Da ist es. Rumpfgeschwindigkeit.
Aber da heißt es nur: Siehe relative Geschwindigkeit.

Also blättere ich weiter.
Auf Seite 297 dann des Rätsels Lösung:
’Relative Geschwindigkeit. Weiblich. Die aus der Wasserlinienlänge eines Verdrängerbootes und der natürlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Wellen sich ergebende Beziehung, welche die für ein Boot erreichbare Geschwindigkeit zu errechnen gestattet.’

Weiblich ist sie also, die Rumpfgeschwindigkeit.
Wer hätte das gedacht.

Trotz naheliegender Interpretation aufgrund der vom Verfasser verwendeten anzüglichen Begriffe wie ’Fortpflanzung’ und ’Beziehung’, hat sie jedoch offensichtlich nichts mit Sex zu tun.

Und sonst?
Der gute alte Claviez muss Zweifel an der Verständlichkeit seiner Definition gehabt haben, denn er schreibt weiter:
’Da ein mit relativ hoher Fahrt laufendes Boot mit ausgeprägter Bug- und Heckwelle gerade eine Welle von etwa der Länge der Wasserlinie des Bootes erzeugt, kann dessen Geschwindigkeit kaum größer werden als die natürliche Wellengeschwindigkeit.’

Donnerwetter. Das ist ja interessant.
Aber es beschleicht mich der Gedanke, dass ich trotzdem nicht schlau genug bin, das zu begreifen.

Eine Formel muss her. Auch die liefert Claviez:
-----v= 1,25 x √L (v in m:s, L in m)
oder v= 4,50 x √L (v in km:h, L in m)


Jetzt ist alles klar. Noch schnell den ergänzenden Hinweis lesen und ich weiß ganz genau Bescheid:
’Dieser Wert kann –auch durch Einflüsse wie mitlaufender See- kaum überschritten werden. Das Streben des Konstrukteurs nach einer möglichst großen effektiven Wasserlinienlänge liegt auf der Hand. Das sich aus der jeweiligen Geschwindigkeit ergebende Verhältnis R= v:√L wird als Geschwindigkeitsgrad bezeichnet.'

Ich betrachte die Außenfläche meiner Hand. Und sicherheitshalber auch die Innenfläche.
Nichts liegt auf der Hand.

Trotzdem. Das begreift ja jeder. Das ist absolut logisch. Nur leider nicht für mich.
Ich zweifle an meinem Verstand. IQ. Hab’ ich so was überhaupt?

Am Ende quält mich eine neue Frage:
Wenn mein Catamaran Rumpfgeschwindigkeit läuft –was immer das nun sein mag- hebt er dann aus dem Wasser ab oder neigt er wie ein Unterseeboot dazu, abzutauchen?

Ich entschließe mich -im tiefsten Herzen deprimiert- doch nur noch einfach segeln zu gehen. Theorie ist halt nicht meine starke Seite.