CFC-Notizen :: CFC Notizen

Orkan über Sahlenburg.
Von Birgitt M. Schindler.

Am 13. und 14.09. sind die Nord- und Ostsee von einer Sturmflut mit orkanartigen Böen heimgesucht worden. Auf der Rettungsstation in Sahlenburg wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 151 km/h gemessen.

Bereits am Dienstag stand das Wasser schon vor Hochwasser nur noch wenige Centimeter unterhalb der Kronen der Dünen, die in Sahlenburg den Deich ersetzen. Die Wassermassen haben sich jedoch ihren Weg über die etwas niedrigere Wattenauffahrt ins Vorland und auch auf den Cat-Platz gebahnt. Wenn wir bisher bei ähnlichen Wetterlagen immer nur die Erfahrung machen mussten, dass der Cat-Platz teilweise und nur von innen aus dem Entwässerungsgraben vollgelaufen ist, haben wir jetzt eine ganz neue Qualität der Naturgewalt kennen gelernt.
Weil die Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH vergessen hatte, ihre Strandkörbe vom Strand zu nehmen, sind diese vom Wasser vollständig zerstört und zum Teil ins Watt getrieben worden. In Sahlenburg gibt es keine Strandkörbe mehr. Dazu sage ich an dieser Stelle jetzt lieber nichts mehr.

Am Dienstag Abend hatte Andreas Schulz bei Peter H. Schindler angerufen, unserer zentralen Anlaufstelle im Verein und erklärt, dass er und seine Frau auf dem Cat-Platz nach dem Rechten gesehen hätten. Alle Boote von CFC-Seglern seien ordentlich gesichert gewesen. Vereinsseitig bräuchte im Moment nichts weiter unternommen werden.
Am Mittwoch Abend dann ein Katastrophenanruf von Christian Fandrich. Der Cat-Platz sei vollgelaufen. Das Wasser stünde fünfundzwanzig bis dreißig Centimeter hoch und ohne Gummistiefel sei der Platz nicht mehr zu betreten. Auch habe er, Christian, Probleme, sich überhaupt auf den Beinen zu halten; so stark sei der Sturm. Hoppetosse, der gelbe Hobie 16 der Eignergemeinschaft Ahlers/Mitgau habe sich losgerissen. Die Plane über dem Trampolin sei zerrissen; das Großsegel zerfetzt. Eine Want sei gerissen und fliege nunmehr -vom Boden her für ihn unerreichbar und nicht ‘einzufangen‘- im Sturm durch die Luft. Christian traute sich nicht mehr an den Cat heran, weil er befürchtete, dass wegen einer gerissenen Want der Mast herunterkommen könnte. Außerdem sei die Segelkiste von Gabor Keresztury im wahrsten Sinne des Wortes weggeschwommen. Sie läge jetzt neben Hoppetosse und hätte an dem einen Rumpf ziemlich starke Schrammen im Lack hinterlassen.
Peter meinte, dass er ja im Laufe der Jahrzehnte schon einiges in Sahlenburg erlebt hätte; dass zum Beispiel unzureichend festgemachte Cats über den Platz geflogen und sogar im Graben gelandet sind, aber dass sich auch schwere Segelkisten selbständig machen und über den Platz treiben, das sei auch für ihn neu.

Von Hamburg aus konnte Peter wenig machen, aber er hat sofort versucht, mit Gabor Kontakt zu bekommen, damit der nach Sahlenburg fährt, um Christian zu helfen. Aber Gabor war nicht zu Hause und Bodo Ahlers –Miteigner von Hoppetosse- war auf einer auswärtigen Schulung. Erst Stunden später konnte er bei Peter zurückrufen. Bodos Frau hatte jedoch vorher die Nummer von seinem Kumpel Steffen Mitgau durchgegeben, den Peter dann nach etlichen Versuchen im Laufe des Abends auch erreichte. Der hat sich dann wieder mit Christian in Verbindung gesetzt und ist von Dorum nach Sahlenburg gefahren, damit sie zusammen noch retten können, was zu retten ist. Peter und ich sind den ganzen Abend in Hamburg zu Hause geblieben, um erforderlichenfalls als ‘zentrale Notrufstelle‘ weiter eingreifen und koordinieren zu können. Inzwischen war Alex nach Hause gekommen. Er und Peter gelangten zu der Überzeugung, dass die Want an Bodos Cat nicht gerissen sein könne; sonst wäre der Mast schon vorher herunter gekommen. Dass ließ man dann auch sofort Christian telefonisch wissen lassen. Der räumte ein, dass er sich in der Dunkelheit möglicherweise getäuscht haben könnte.
Erst gegen 23.oo Uhr dann die Entwarnung. Christian und Steffen war es gelungen, Hoppetosse zu sichern und die auf Reisen gegangene Segelkiste an einem sicheren Ort zu vertäuen.

Donnerstag Anruf von Hendrik Eggers, der von Peine nach Sahlenburg gefahren war, weil er sich Sorgen um seinen Cat gemacht hatte. Dort hat er Gabor angetroffen und zusammen haben beide eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Außer Hoppetosse ist wahrscheinlich kein anderes Boot zu Schaden gekommen. Allerdings sind Hendriks und noch einige andere Seekisten mit Wasser vollgelaufen; auch unsere Vereinskiste.
Hendrik wurde gebeten, die Vereinskiste auf den Notfall-Trailer auf dem Platz zu stellen, damit das nicht noch einmal passiert. Ob der Rasenmäher als teuerstes Objekt in der Kiste Schaden genommen hat muss noch geprüft werden. Immerhin befanden sich Akku und Ladestation nicht in der Vereinskiste, sondern in Sicherheit im Café und Bistro Liebenswert auf dem Deich.

Inzwischen ist Peter der Frage nachgegangen, warum Hoppetosse Schaden genommen hat. Die Antwort haben Peter und Alex nachdenklich gemacht. Weder Andy und Gitti, noch Christian haben nämlich gewusst, dass Bodo Ahlers Mitglied bei uns ist und konnten daher gar nicht anders, als Hoppetosse als vereinsfreien Segler anzusehen oder als dem anderen Verein zuzuordnendes Mitglied. Ein fataler Irrtum, der zeigt, wie wichtig es ist, dass Bootseigner in unserem Verein an ihren Booten den CFC-Stander führen, damit an Land präventiv oder im Notfall sofort Hilfe geleistet werden kann. Bodo und Steffen wissen das jetzt jedenfalls.

Der Vorfall in Sahlenburg sollte für den CFC-Vorstand, aber auch und vor allem für alle Bootseigner Anlass sein, darüber nach zu denken, wie in Zukunft auf dem Cat-Platz in Sahlenburg mehr Sicherheit geschaffen werden kann. Alex und sein Vater haben über dieses Thema bereits ausführlich nachgedacht und diskutiert.

Unser Mann vor Ort für alle Fälle ist Rainer Borchert. Rainer hat jedoch nicht die Aufgabe, von sich aus regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Er wird vielmehr nur auf Anweisung tätig.
Es sollte darüber nachgedacht werden, ob nicht vereinsseitig ein aktiver Kontroll- bzw. Notdienst eingerichtet werden kann, der bei Bedarf rechtzeitig und präventiv tätig wird.

Alle Boote sollten den CFC-Vereinsstander gut sichtbar an einer Want führen.
Dann weiß der Notdienst, um welche Cats er sich erforderlichenfalls kümmern muss.

Die Boote sollten von ihren Eignern an stabilen Bodenankern gesichert werden. Ein einfacher Hering aus dem Campingbereich reicht erfahrungsgemäß nicht! Im lockeren Sand des Strandes halten sie nicht.
Die verwendeten Seile sollten belastbar sein, damit sie bei Sturm auf keinen Fall reißen. Was hier zum Teil für ‘Flickwerk‘ verwendet wird, spottet jeder Beschreibung.

Nicht nur die Boote, sondern auch die Segelkisten sollten in Zukunft mit einem Bodenanker gesichert und am Wegschwimmen gehindert werden.
Auch hier reicht einfacher Hering aus dem Campingbereich in aller Regel nicht aus.

Um zu verhindern, dass Segelkisten bei Sturmflut mit Wasser volllaufen, ist anzuraten, sie zumindest im unteren Bereich des Platzes nicht nur knapp über dem Erdboden auf alte Reifen oder Holzbohlen zu stellen, sondern Holzböcke zu verwenden. Mehr als einen halben Meter hoch steigt das Wasser auf dem Cat-Platz (nach menschlichem Ermessen!) nicht. Wenn die Kiste dann zusätzlich mit einem Gurt senkrecht nach unten an einem Bodenanker gesichert wird, kann garantiert auch im Sinne Ziffer 3 nichts passieren.

In der Vereinskiste sollte unbedingt eine Rolle mit mindestens zwanzig Meter kräftiger Leine und Gummistroppen vorgehalten werden, um im Notfall bei Sturm Boote, Kisten und Segel zusätzlich sichern zu können. So ein Fall wie Hoppetosse darf es kein zweites Mal geben; wenn auch die beiden Eigner diesmal selbst Schuld waren.

Starkwind und Sturm sind in aller Regel aus West oder Nord-West zu erwarten.
Die Boote in der ersten Reihe an der Wattenauffahrt liegen zur Zeit –mit Ausnahme der beiden Nacras von Alex und Delf- mit dem Heck in Windrichtung, während die Boote in der zweiten Reihe grundsätzlich mit dem Bug in Richtung der vorherrschenden Windrichtung liegen. Es macht Sinn, dass die Boote auch in der ersten Reihe alle so abgestellt werden, dass die Büge in Richtung Wattenauffahrt zeigen. Das nimmt dem Wind die Möglichkeit einer ungünstigen Anströmung.
Außerdem -so Alex‘ Empfehlung- sollten die Bootseigner sich angewöhnen, den Mast zusätzlich zu arretieren. Das verhindert, dass dieser durch die Mastdrehung in Schwingungen gerät, sich verziehen und im schlechtesten Fall brechen kann. Hierfür bedarf es zum Beispiel nur einer Verspannung mit einem einfachen Seit unten vom Mast zum Püttingeisen.