CFC-Notizen :: CFC Notizen


Ein ‘Kleeblatt‘ in der Wüste.
Von Peter H. Schindler.

Anfang Februar telefoniere ich mit Jens.
„Ich bin völlig fertig. Brauche unbedingt Urlaub“, schlägt es mir entgegen.
“Und wohin geht’s?“
„Habe zwei Wochen Djerba gebucht. Sag mal, willst Du nicht mitkommen?“
„Ach Gott, ich weiss nicht …..“

Als Alex Abends nach Hause kommt, rufe ich ihm im Vorbeigehen zu: „Idefix fährt nach Djerba zum Segeln.“
Ich erhalte keine Reaktion und wundere mich darüber eigentlich auch nicht.
Auf dem Weg in die Küche greift er das Thema aber doch auf. „Club Aldiana?“
„Nein, Magic Life. Er will unbedingt Topcat segeln und keinen Hobie 15.“
Mit einem großen Teller Nudeln in der Hand, will er in sein Zimmer zurück. „Wann fliegt er denn?“
„Am 13. April.“
Nach zehn Minuten kommt er mit seinem leeren Teller zu mir ins Wohnzimmer. „Sag ihm Bescheid; wir kommen mit.“ Dann ist er auch schon wieder verschwunden.

Am 13. April, einem Freitag, treffen wir drei uns auf dem Flughafen in Hamburg. Das ‘Kleeblatt‘ vom CFC ist wieder zusammen. Großes Hallo. Idefix strahlt über das ganze Gesicht und freut sich sichtlich, dass Alex und ich mit von der Partie sind.

Während Alex noch Schwarzbrot für Birgitts auf Djerba lebende Freundin Annette einkauft und Idefix auf Toilette ist, treffe ich zufällig Dieter Bohlen auf dem Zeitungsstand. Er schaut ziemlich mürrisch ‘drein und macht einen gehetzten Eindruck. ‘Na, so ganz frisch sieht der auch nicht mehr aus‘, geht es mir durch den Kopf. ‘. Im Fernsehen kommt er jedenfalls besser ‘rüber.‘ Ich entschliesse mich, ihn anzusprechen, als er mir direkt ins Gesicht sieht. „Ich singe nicht. Versprochen.“
Anstatt des von mir erwarteten Grinsens, kommt ein kurzes „Ist wohl auch besser so.“ Dann eilt er mit seinem kleinen Rollkoffer durch die Kontrolle und ich wundere mich, warum er nicht durchsucht wird. Die Menschen sind eben doch nicht alle gleich …..

Das Kleeblatt hat sich für drei Sitze am Gang im Flugzeug entschieden, um in den fast drei Stunden in der Luft mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Aber das Flugzeug ist nicht ausgebucht. Idefix und ich haben auch noch die beiden anderen Sitze in der Reihe für sich und machen uns breit.

Anflug auf Djerba.
Hachemi (Sprich:Äschmie), Annettes Mann, holt uns vom Flugplatz ab. Wir brauchen also nicht dem Bus in den Club fahren. Der Club-Direktor –er ist mit Annette und Hachemi befreundet- empfängt uns höchst persönlich. Wir sind für ihn so etwas wie V.I.P. und das sollte sich die ganzen zwei Wochen nicht ändern.

Zimmer hell, freundlich und sauber. Breites Bett. Fernseher. Ein modernes Badezimmer mit Badewanne und Dusche. Ein grosser Balkon mit Liegestuhl. Minibar; mit Mineralwasser, Cola und Limonade reichlich bestückt. Alles da. Wir sind zufrieden und glücklich.

Unser erster Weg führt uns auf die Terasse des Club-Cafés am Pool. Idefix braucht –wie er sagt- dringend einen Kaffee. Dann drängt er zum Aufbruch an den Strand. Dort kommen sofort zwei dienstbare Geister von der Wassersportstation auf uns zu und begrüssen uns per Handschlag. Ob wir denn schon etwas Segeln könnten, ist ihre Frage. Idefix geht die Muffe. Er hat keinen Cat-Schein und fürchtet, dass man ihn nun nicht allein segeln lässt. „Laß mich mal machen“, raune ich ihm zu. Alex zeigt seinen Schein vor. Ich verspreche, meinen am nächsten Morgen vorzulegen. Unter meinem T-Shirt hole ich aber einige Fotos hervor, die uns drei segelnder Weise zeigen und Idefix und Alex sogar im Trapez bei Sturm auf einer Regatta auf der Ostsee.
„Reicht das erst mal als Referenz?“, grinse ich die beiden Animateure an, die sich als Mohammed und Azmi vorstellen. Die blättern die Bilder durch und zeigen sie ihren Kollegen Bilal und Slah. Danach fragt uns keiner mehr nach einer Lizenz und auch meine bleibt ungelesen irgendwo in den Tiefen meines Koffers.
Nur der Stationsleiter Oktay blickt erst einmal weiterhin skeptisch ‘drein und bleibt zurückhaltend. Na ja, wir drei sind ja auch irgendwie gewöhnungsbedürftig. Als er dann aber Alex und Idefix und im Trapez auf dem Wasser dahinfetzen sieht, hellt sich sein Gesicht auf. Er weist Bilal und Azmi sogar an, mit dem Schlauchboot heraus zu fahren und den Beiden etwas zu Trinken zu bringen. Am nächsten Tag hat sich auch Oktay an mich gewöhnt. Als er mich ‘Chef‘ nennt, weiß ich, dass ‘Kleeblatt‘ vom CFC ist akzeptiert.

Als ich am nächsten Vormittag mit Idefix vom Segeln zurück komme, empfängt mich Oktay mit den Worten:
„Na, um Dich brauchen wir uns ja wohl auch keine Sorgen zu machen.“
„Wart‘ erst einmal ab, bis wir auf dem Weg nach Lampedusa* sind.“
Oktay versteht den Spaß sofort, drückt mich an sich und flüstert mir leise zu: „Untersteht Euch …..“

Am Nachmittag spazieren wir durch die Club-Anlage. Erst jetzt fällt uns die Farbenpracht der vielen Blumen auf, die überall gepflanzt sind. Idefix‘ Augenmerk richtet sich aber mehr auf das Kuchenbuffet. Als gelernter Bäcker fühlt er sich verpflichtet, alles, aber auch wirklich alles zu probieren. Er schwelgt und schwärmt und ich wundere mich, wie ein Mensch nur so viele Kuchenstücke verdrücken kann. Und auch ansonsten ißt Idefix nicht. Er ‘frisst‘. Da kommt selbst Alex nicht mit.

Beim Abendbrot werden wir auf zwei weibliche Wesen aufmerksam, die offensichtlich über die Konstellation unseres Trios nachdenken. Vom Alter her könnten Beide in das Beutechema eines jeden von uns passen. Alex ist mit seinen siebenunddreissig Jahren ungefähr gleichaltrig, Idefix mit Anfang oder Mitte Fünfzig im besten Mannesalter und auch ich gäbe wohl noch einen passablen Begleiter ab. Als die beiden Frauen merken, dass wir jedoch zum Segeln nach Djerba gekommen und nicht auf Abenteuer im Bett aus sind, finden sie das ganz toll und es bildet sich eine zwanglose Clique, zu der auch der wassersportbegeisterte Timo und seine Freundin Nadine stoßen. Total abgefahren wird es, als sich Horst Burgstaller aus dem tiefsten Niederbayern zu uns gesellt. Wir kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus.

Weil die Wassersportstation am Montag geschlossen bleibt, rufen wir unseren Freund Hachemi an und bitten ihn, uns nach Houmt Souk zu begleiten. Alex will unbedingt tunesisches Geschirr kaufen und einen Teppich. Wir bummeln durch die Altstadt und trinken im Schatten alter Platanen einen Cappuccino; Idefix braucht natürlich zusätzlich zwei Stück Kuchen.
Hachemi führt uns in einen Basar, mit dessen Inhaber er gut bekannt ist. Und schon fallen die Preise. Das von Alex ausgewählte Geschirr kostet nach Hachemis Eingreifen nur noch Bruchteile des ursprünglichen Preises.
Der Preis des Teppichs fällt von viertausendfünfhundert Euro auf eintausendsechshundert. Die Lederjacke, für die sich Idefix entscheidet, kostet plötzlich keine fünfzig Euro mehr und dazu bekommt er kostenlos auch noch zwei echte Ledergürtel. Man muss eben die richtigen Leute kennen …..

Am nächsten Tag gehen Alex und Idefix Tennis spielen. Alex kommt humpelnd zurück. Ich habe den Verdacht auf Anriss des Meniskus. Er bandagiert sein Knie zwar, aber er hat sichtbar Schmerzen. Segeln ist für ihn vorbei und er trägt sich deprimiert mit dem Gedanken, vorzeitig nach Hause zu fahren. Es bedarf einiger Überredungskünste, aber dann bleibt er doch und ich glaube, dass er seine Entscheidung nicht bereut hat.

Ist Idefix nicht beim Essen, am Kuchenbuffet und am Kaffee trinken, findet man ihn auf dem Wasser. Er segelt wie der Teufel und schon bald kann er sich vor Leuten kaum retten, die gern bei ihm Vorschoter sein wollen.
Auch ich treibe mich auf dem Wasser herum. So viel wie auf Djerba habe ich im ganzen vergangenen Jahr nicht in Cuxhaven segeln können.

Eines Morgens eröffnet Idefix uns, dass er Nordern Walking machen wolle. Als wir die Animateurin sehen, meint Alex, dass das wohl eher Modern Talking werden würde. In der Tat ist Sandra was ganz Nettes. Wenn sie doch nur nicht jeden Abend den Drang zum Tanzen haben würde. Ich fühle mich fast als Opfer. Alex ist schlauer als ich. Wenn es zu später Stunde ans Tanzen geht, verschwindet er mit einem dicken Buch im Bett.

Als Jule und Daniela am Freitag abreisen, formiert sich die Clique neu. Lottar, der mein Bruder sein könnte, weil er immer nur Unsinn im Kopf hat. Waltraud, seine Frau, die ihre liebe Not mit ihm hat. Ich glaube, Lottar weiß gar nicht, was er da für ein nettes Wesen an seiner Seite hat. Häuptling Silberlocke, der eigentlich Toni heisst und aus Bad Reichenhall kommt. Ob er im Salzbergwerk arbeite, frage ich ihn ob seiner weissen Haare provozierend. Nein, er sei Zollbeamter gewesen und im Übrigen Indianerhäuptling. Fortan rufen ihn alle Häuptling Silberlocke. Richard, ein ehemaliger Polizeibeamter. Als er mir zur Club-Regatta als Vorschoter zugelost wird, grinst Idefix: „Heute segelst Du unter Polizeischutz.“ Habe ich zwar nicht gebraucht, hat aber auch nicht geschadet. Dann ist da noch der zweite Richard aus Österreich. Der findet unser schwarzes Vereinsshirt so toll, dass er mich überredet, ihm eins zu verkaufen. Er trägt es jeden Tag. Auch eine orangefarbene CFC Segler-Mütze setzt er auf und gibt sie nicht wieder her. Timo und Nadine sind die Jüngsten in unserem Kreis. Dank Nadine weiß ich nun auch endlich, wo Mücheln liegt.

Die Stimmung ist bombig. Wir lachen ununterbrochen.
Eines Morgens reite ich zum Segeln per Kamel an den Strand. Da müssen selbst Oktay, Asmi, Bihal und Slah von der Wassersportstation lachen; zumal ich beim Absteigen, dem Kamel ungewollt um den Hals falle.
Idefix setzt einem Baby-Kamel eine CFC-Mütze auf und erklärt es zum neuen Vereinsmaskottchen Puschel.

Als wir über den Rückflug nachdenken müssen, überrascht uns Horst Burgstaller mit der Nachricht, dass wir nicht direkt nach Hamburg, sondern über Berlin-Schönefeld fliegen müssen. Ich fluche, denn ich habe keine Lust, zwei Stunden in Berlin herum zu sitzen. Horst macht sich einen Spaß daraus und erfindet immer neue Zwischenstationen. Paris, London, Rom; Tibet, Thailand und Australien. Kein Land ist ihm zu weit. Dabei gackert er herum, dass niemand ernst bleiben kann. Am Ende klärt sich die Sache als Irrtum der Reiseleitung auf.

Abflug. Das Kleeblatt trennt sich in Hamburg.
Idefix beteuert, dass ihm die Reise viel Spaß gemacht hat und er es cool gefunden hätte, dass Alex und ich mitgekommen seien. „Das müssen wir unbedingt mal wieder machen …….“
„Soll das ‘ne Einladung sein?“, fragt Alex.
„Nein, eine ultimative Aufforderung.“
Na, schau’n mer mal …………



*= Insel im Mittelmeer vor Italien.