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In Memoriam Motte Constabel.
Von Peter H. Schindler.

Peter Constabel, den wir Caties in Sahlenburg liebevoll ‘Motte‘ nannten, hat seinen Kampf ums Leben verloren. Am Nachmittag des 18.09.2008 erlag er nach fast einem Jahr des Bangens und Hoffens einer heimtückischen Krebserkrankung, die ihm am Ende keine Chance ließ. Er wurde nur dreiundsechzig Jahre alt.

Wir alle wissen, wer Peter Constabel war; was er war und wofür er stand:
Anständigkeit. Zuverlässigkeit. Fürsorglichkeit. Hilfs- und Opferbereitschaft. Fairness; nicht nur im Sport, sondern auch im Umgang mit Menschen. Zielstrebigkeit. Konsequentes Zuendeführen einer angefangenen Sache. Kämpferisch im Handeln, wenn es gefordert war. In vielen Dingen engagiert und –im wahrsten Sinne des Wortes- nicht zu verbiegen.

Rationales, messerscharfes Denken war ihm ebenso zu eigen, wie die Gabe, in seinen Gefühlen vollständig wegzutauchen.
Wer Peters Sammlung ‚Schlafloszärtlichtraurig’ gelesen hat, weiß, dass er sensibel, in manchen Dingen fast zerbrechlich war.
Mit Motte konnte man viel Spaß haben und lachen. Aber ich habe ihn auch tief verzweifelt erlebt. Wenn ich dann nach Stunden und vielen Gläsern Wein glaubte, ihn wieder in die Spur gebracht zu haben, konnte es durchaus sein, dass er sagte: „Du magst ja Recht und sogar die besseren Argumente haben. Ich mach’ das trotzdem nicht so.“ Alles Reden war umsonst gewesen.
Irgendwann hatte er sich dann selbst wieder aus der Grube gezogen und erschien strahlend, lachend, glücklich und fröhlich zum Segeln.

Zu diesem liebenswerten Menschen passte die ausgeprägte Charaktereigenschaft, Verantwortung zu übernehmen; für sich und andere.
Ich weiß, was ich da sage, denn ich hatte ihn fast sechs Jahre im Vorstand des CFC an meiner Seite. Motte hat die Geschicke unseres Vereins entscheidend mitgestaltet und ihn geprägt.

Peter war zweifelsfrei kein Mann der Gewalt, sondern eher der gewandten Worte und guten Argumente.
Von ihm stammt zum Beispiel der Ausspruch zum Vorsitzenden des anderen Catamaran-Vereins in Sahlenburg: „Wenn Euch hier zwei Vereine zu viel sind, warum löst Ihr Euch dann nicht einfach auf?“ Typisch Motte. Auf die Idee, das auf uns anzuwenden, kam er gar nicht erst.

Peter konnte einen verdammt dicken Kopf haben. Das hatte sogar einmal zu einer mehrmonatigen Funkstille zwischen uns beiden geführt. Er wollte einfach nicht mehr mit mir reden.
Weil er aber auch die Gabe hatte, dem anderen seine Meinung zu lassen, ohne seine eigene aufzugeben, war es nur eine Frage der Zeit, bis man wieder zusammen am Tisch saß und alles vergessen war. Nachtragend war Peter wirklich nicht. Eher ein Elefant, der nichts nachträgt; aber auch nichts vergisst.

Ein bischen eitel war unser Peter.
Er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen und sich bewundern zu lassen.

Und in manchen Dingen war er ein absoluter Chaot.
Trotzdem nahm ihn jeder so, wie er war; denn er war ein ganz Netter, der zu uns passte, wie kaum ein anderer.

Motte leistete sich Träume.
Seinen größten, den einer Weltumsegelung, konnte er sich nicht mehr erfüllen.

Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag, als Peter nach Sahlenburg kam. Es muss 1996 gewesen sein.
Peter hantierte an seinem kleinen Topcat F2 herum, den er am Graben abgestellt hatte. In großen Lettern konnte man an den Rümpfen den Namen Motte lesen.
Mit zwei anderen Seglern auf dem Platz mühte ich mich, den Mast meines Catamarans zu stellen. Da wir Hilfe brauchten, rief ich zum Graben herüber: „He, Du da.“ Und weil ich nicht wusste, wie Peter hieß: „Dich meine ich; Motte. Kannst Du uns mal zur Hand gehen?“ Peter ließ sofort alles stehen und liegen und kam eiligst herüber, um uns zu helfen. Dann stellte er sich vor: „Ich heiße Peter. Peter Constabel. Aber Ihr könnt ruhig weiterhin ‘Motte‘ zu mir sagen; wenn Ihr wollt.“ Dabei grinste er über das ganze Gesicht. Von da an war Peter einer von uns.

Als im Sommer 1997 ein Catamaran-Geschwader nach Helgoland segeln wollte, stand ich vor der Situation, keinen Vorschoter zu haben. Alex hatte unerwartet abgewunken: „Zu riskant“.
Ich suchte und fragte auf dem Cat-Platz herum. Plötzlich stand Motte vor mir: „Ich würde gern mit Dir segeln. Natürlich nur, wenn Du willst.“ Ich wollte. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Als ich Motte am 29. August 2008 zum letzten Mal im Krankenhaus besuchte und wir uns voneinander verabschiedeten, wussten wir beide, dass es ein Abschied für immer sein würde.

Bis zuletzt interessierte er sich für die Dinge im CFC. Als er nach etwa zwanzig Minuten mit seiner Kraft am Ende war und ihm die Augen vor Erschöpfung zuzufallen drohten, trug er mir noch einige Dinge auf, die ich nach seinem Tode erledigen sollte. Dann nahm er meine Hand und sagte leise: „Bitte grüß mir die Freunde in Sahlenburg. Gern wäre ich wenigstens noch so lange auf dieser Welt geblieben, um mich von jedem Einzelnen zu verabschieden.“
Und: „Halte den CFC zusammen und sorge dafür, dass sich der Verein nicht auflöst.“

Das war so etwas wie ein Vermächtnis, das ich hiermit an jeden Einzelnen von uns weitergebe.

Seine ausdrückliche Bitte, bei der Seebestattung zwischen Helgoland und dem Leuchtturm Roter Sand die Trauer-Ansprache vor den Trauergästen zu halten, habe ich erfüllt. Noch nie ist mir eine Aufgabe so schwer gefallen und ich bekenne freimütig, dass ich mittendrin geweint habe.

Mein Vater war ein weiser Mann; so etwas wie ein Philosoph. Als ich noch ganz jung war und wir bei irgendeiner Gelegenheit mal über den Tod sprachen, sagte er zu mir:
„Solange man sich an Dich erinnert oder über Dich spricht, so lange bist Du nicht tot.“

Peter wird noch lange weiterleben; in unseren Herzen und Erinnerungen. Davon bin ich überzeugt.