CFC-Notizen :: CFC Notizen

Es war nicht unser Tag.
Über die Begrüssung des Weltumseglers Gerd Engel.

Commodore Bellmer vom TO Trans-Ocean e.V. hatte uns gebeten, mit einigen unserer Fun- und Sport-Cats den Weltumsegler Gerd Engel auf seinem Cat ‚Sposmoker II' in Höhe Neuwerk zu begrüßen und ihn im Geschwader in die Marina des SVC zu geleiten.

Schon der Termin ist unglücklich: Einen Tag nach Pfingsten. Und so muß der CFC-Chef einiges tun, um wenigstens drei Boote zusammen zu bekommen. Hans-Werner Baden stellt sich mit seinem ‚Highlander' zur Verfügung. Peter H. Schindler hat sich frei genommen. Und Lutz und Martin Szech sind bereit, am Montag Abend noch von einer Regatta an der Ostsee nach Cuxhaven zu fahren, um Motte Constabels ‚Ciao Bella' zu übernehmen. Auch ihm sei an dieser Stelle gedankt. Es ist ja keineswegs selbstverständlich, einen Catamaran zu verleihen.

Per Telefon hält Peter Kontakt zu Gerd Engel und es wird vereinbart, daß man sich am nächsten Tag um 10.30 Uhr auf Neuwerk Reede trifft. Am Morgen dann um 8.00 Uhr der Anruf, daß ‚Sposmoker II' schon gegen 9.00 Uhr vor Neuwerk aufkreuzen würde.

jpegIn aller Hast eilt man an den Strand und macht die Boote klar.
Null Wind und selbst der gelegentliche, kaum spürbare Hauch ist auflandig. Das bedeutet, daß bis Neuwerk Reede aufgekreuzt werden muß.
Der Fächer der Boote quält sich seewärts. Plötzlich ist Hans' Hobie 16 nicht mehr zu sehen. Er hat sich mit seinem Schotten Benno -ein alter Bekannter aus Tunesien- verquatscht und ist dann -nur Gott weiß, wie sie das geschafft haben- gekentert. Peter will Hans suchen, wendet und kreuzt zurück. Dann steht ‚Highlander' plötzlich wieder sichtbar im Wasser; aber Benno trauert seiner Brille nach und kann von jetzt an nicht mehr richtig sehen. Die beiden Cats nehmen wieder Kurs Richtung Elbfahrwasser.

Plötzlich meldet Peters Schotte: "Auf dem anderen Topcat steht der Mast schief." Ungläubig beobachtet man, daß Martin und Lutz Probleme haben. Also nichts wie hin. Fast 'dran, richtet sich der Mast plötzlich wieder auf und die beiden Brüder segeln der inzwischen passierten und unter Motor laufenden ‚Sposmoker II' nach. Auf dem Topcat war der Hammerbeschlag am Powerspreader ausgeklinkt. Geistesgegenwärtig hatte sich Martin ins Trapez gehängt und den Mast gehalten, während Lutz zur Rumpfspitze ‚turnte' und unter Ausnutzung der Wellenbewegung und der damit verbundenen Entlastung des Riggs mit der Hand den Hammerbeschlag wieder eingehakt. Das war schon eine Superleistung, die die beiden da draußen auf dem gefährlichen Fahrwasser der Elbe vollbracht haben. Eigentlich geht das nämlich gar nicht; so die Auskunft topcatkundiger Spezialisten. Es geht eben nichts über gute Leute, die ihr Handwerk verstehen und sich nicht durch eine haarige und komplizierte Sache aus der Ruhe bringen lassen.

Peter ändert den Kurs und hält auf Lutz und Martin zu. Dann meldet der Schotte: "Die sind wieder klar."
Peter steht mit seinem Cat jetzt schon mehrere hundert Meter hinter Gerd Engel und versucht aufzuschließen. Aber er kann keine Wende fahren, weil hinter ihm ein Containerschiff aufkommt, das er erst passieren lassen muß. Endlich ist er auf richtigem Kurs, muß aber erkennen, daß er ‚Sposmoker II' nicht mehr einholen kann. Sein Schotte holt das mitgeführte Megaphone heraus, mit dem sie Gerd Engel und seiner Crew wenigstens ein paar freundliche Worte zu- bzw. hinterherrufen wollen. Das Ding fällt Wolfgang B. aber aus der Hand ins Wasser und er entschuldigt sich anschließend einhundertundzehntausend Mal; solange, bis Peter genervt erklärt, daß es wichtigere Dinge gäbe; zum Beispiel zu entscheiden, ob man nach Sahlenburg zurücksegelt oder riskiert, noch vor der Grimmershörner Bucht wegen der inzwischen eingesetzten Ebbe im Watt liegen zu bleiben.
Peter entscheidet sich für Sahlenburg. Hans sieht das und kehrt ebenfalls um. Nur die beiden Szechs sind jetzt noch am ‚Sposmoker II' ´dran.

In Sahlenburg klingelt das Handy. Martin meldet, daß es noch mehr Probleme gegeben habe. Das Unterliek des Großsegels sei an der Schotblockschiene eingerissen. Man habe sich daher entschlossen, über den Leitdamm aus dem Fahrwasser ins Watt zu segeln und das Boot dort trockenfallen zu lassen. Es stehe jetzt einige Kilometer vor Duhnen im Watt. Lutz passe auf, daß nichts wegkäme.
Man verabredet sich, holt gemeinsam den Slipwagen vom Cat-Platz und den Trailer vom Campingplatz und ab geht es nach Duhnen. Martin, Lutz, Benno, Hans und Peter ziehen den Cat kilometerweit über das heiße und an dieser Stelle weiche und tiefe Watt, riggen den ‚Zossen' am Strand ab und fahren ihn nach Sahlenburg zurück. Dort wird der Cat wieder aufgebaut und das Segel zum Segelmacher gebracht. Nur Peters Schotte ‚verdrückt' sich vorher klammheimlich, was alle ziemlich unkameradschaftlich finden und Peter nimmt sich vor, ihn nie wieder einzuladen, geschweige denn mit ihm zu segeln.

Anschließend fahren alle in die SVC-Marina, um Gerd Engel persönlich zu begrüßen. Aber dort ist alles schon gelaufen. ‚Sposmoker II' liegt verlassen an der Pier; Presse, Fernsehen und Honorationen sind weit und breit nicht mehr zu sehen und auch Gerd Engel ist wohl schon zu Hause. Hundemüde und mit langen Orang-Utan-Armen vom Ziehen und Schieben trennen sich die Freunde.

Einen Tag später dann ein Artikel in den ‚Cuxhavener Nachrichten'. Großer Bericht über Gerd Engel und seinen ‚Sposmoker II' und der Hinweis, daß drei Boote des CCC ihn begrüßt hätten.
Auch das noch! Von denen war überhaupt keiner auf dem Wasser. Fürwahr, es war nicht unser Tag.