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CFC Messe-Treff ‘Hanseboot 2012‘.
Oder: Abgesang einer einstmals großen Bootsmesse.
Von Peter H. Schindler

Der Frage, wie viele Bootsausstellungen Deutschland braucht, soll an dieser Stelle nicht nachgegangen werden. Nur eines ist sicher: Der Hanseboot in Hamburg bedarf es nicht (mehr).

Was haben die Veranstalter nur aus dieser einstmals so interessanten und bei Wassersportlern so beliebten Messe gemacht?
Dort, wo früher Motor- und Segelyachten, Motorboote und Jollen die Hallen dicht an dicht füllten, herrschte gähnende Leere. Nur noch in einer Halle drängten sich größere Schiffe. Ganze Hallenbereiche standen (fast) leer. In einer Halle verloren sich einige wenige kleinere Motorboote in der Größe des Raumes. Es hatte den Anschein, dass sie nur aufgestellt waren, um nicht auch noch diese Halle leer stehen lassen zu müssen.

In vielen Hallen waren Stände nicht belegt. ‘Tote Lücken‘ nannte das ein Aussteller und in der Tat konnte man beim Bummel vorbei an solchen Bereichen das Gefühl bekommen, an einer düsteren Gruft zu stehen.

Hätte es AWN A. W. Niemeyer nicht gegeben, das Angebot an Bootszubehör wäre geradezu dürftig gewesen.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Standes von Secumar BERNHARDT APPARATEBAU GmbH & Co. -dem letzten ausstellenden Sicherheitsspezialisten- ein Weinstand und ein Stand mit Staubsaugern.
Ob sich die Secumar-Leute in dieser artfremden Umgebung wohl gut aufgehoben gefühlt haben? Die Messeleitung muss sich fragen lassen, was solche und ähnliche Aussteller auf einer Bootsfachausstellung verloren haben. Oder funktioniert man die Hanseboot jetzt nach und nach zur Du und Deine Welt um?

Maritime Kunst ist ja ganz schön, kann doch aber wohl nicht Mittelpunkt einer Bootsausstellung sein.

Geradezu gequält suchte man die Surfer. Früher belegten sie zwei Etagen in einer Halle; heute nur noch einen verschwindend kleinen Hallenteil; irgendwo hinten in einer Ecke. .

Bei den Sport-Catamaranen fehlte jetzt nicht nur Sven Lindstädt als Nacra-Vertretung, auch die Topcat GmbH und die Hersteller von A-Cats und Tornados haben sich vollständig zurückgezogen; und das, obwohl Cat-Segeln nach wie vor Trent-Sport und Nacra 17 bei der nächsten Olympiade sogar olympische Klasse ist.
Sieht man einmal von den Klassenvereinigungen als ideelle Aussteller ab, vertrat nur ein einziger Hobie Wild Cat auf dem Stand von Sport Mohr die Szene. Wirkliche Vergleichsmöglichkeiten bei den verschiedenen Catamaran-Fabrikaten gab es auf der Messe nicht mehr.

Schlauchboote? Auf der Hanseboot Fehlanzeige. Nur die AWN A.W. Niemeyer hat noch ein paar gezeigt. Zur Entscheidungsfindung konnten die wenigen Exponate aber kaum einen Beitrag leisten.

Wir haben einige Aussteller gefragt, warum die Hanseboot so herunter- bzw. verkommen ist. Die Antworten lassen auf Arroganz und totales Versagen des Messemanagements schließen.

Die kleineren Aussteller können sich die saftigen Standmieten von € 120,-- pro qm einfach nicht mehr leisten.
Anderen Ausstellern hatte man die Stände in diesem Jahr wohl verbilligt oder gar kostenfrei vermietet, weil sonst vermutlich noch weniger Plätze belegt worden wären. Das macht verständlicherweise die übrigen, voll zahlenden Aussteller und vor allem die Unternehmen sauer, die gern ausgestellt hätten, für die aber die Standmiete einfach zu hoch war.

Dass die absolute Zahl der Eintritt zahlenden Messebesucher nur für die Hamburg Messe und Congress GmbH von Interesse ist, scheint sich in deren Etagen noch nicht herumgesprochen zu haben. Für die Aussteller sind nicht die Seh-, sondern die kaufwilligen Seeleute von Bedeutung. Davon gibt es aber auf der Hanseboot offensichtlich immer weniger. Warum soll man auch auf eine Ausstellung gehen, deren Bestückung mehr oder weniger einem Fragment gleicht?

Ein der Ausstellung fern gebliebener Catamaran-Hersteller bot seinen Kunden während der Messezeit einen Rabatt von zehn Prozent an. „Da habe ich viel Geld gespart und der Umsatz stimmt trotzdem.“ Zur Meinungsbildung braucht man eben keine drittklassige Messe mehr.

„Ich glaube, im kommenden Jahr werden wir ein paar Busse mieten und unsere Kunden nach Düsseldorf karren. Das kommt uns billiger und ist für die Wassersportler mit Sicherheit interessanter und lukrativer“, war die Meinung eines anderen Ausstellers.

Und als Gelegenheit, mal wieder alte Freunde und Bekannten zu treffen, braucht man die Hanseboot auch nicht unbedingt. Würde man sich bei der AWN A. W. Niemeyer im Laden treffen, man hätte einen würdigen Rahmen als Ersatz.

Die Boot in Düsseldorf ist in der Tat größer, vielseitiger und attraktiver. Wenn der Messe-Veranstalter in Hamburg jetzt nicht endlich aufwacht und sich eines Besseren besinnt und ein Konzept entwickelt, das für die Aussteller bezahlbar und für die Besucher attraktiv ist, wandern die wirklich interessierten und kauffreudigen Wassersportler weiterhin nach Düsseldorf ab. Irgendwann ist die Hanseboot dann endgültig eine bedeutungslose Provinzmesse und vielleicht sogar Geschichte. Leider.